

Ennepetal. Man nehme den sonst so romantischen Mozart und bringe ihn in Verbindung mit Sexszenen, denen jeglicher romantischer Zug fehlt. Anstatt heiterer, unbeschwerter Impressionen des „Mozart‑Zyklus“ werden dem Liebhaber von Federzeichnungen totenkopfähnliche und skelettartige Gesichter und Körperteile, fratzenhafte Züge des Komponisten, seiner Feinde und Frauen präsentiert.
Auf diese Art von Kunst hat sich der Ennepetaler, an der Kölner Straße wohnende Andreas Noßmann spezialisiert, der momentan 23 seiner insgesamt 120 Federzeichnungen in Essen‑Kettwig ausstellt.
Noßmann, Student für Illustration und Freie Grafik in Wuppertal, findet den Auslöser für seine Arbeiten in der Literatur und der Musik. Eingehend befasst er sich zunächst mit den Biographien und auch den Mythen der Personen, die er dann mit Hilfe der Feder individuell interpretiert. Demnach geht der künstlerischen Auseinandersetzung mit einer Persönlichkeit immer eine intellektuelle voraus.
Für Noßmann muss das Ergebnis seiner Werke immer extrem sein, denn seiner Meinung nach weckt erst das Ungewöhnliche Interesse an der Kunst. Seine Arbeiten drücken Reife und genaues Durchdenken aus. Der 26‑jährige Künstler gibt dem Betrachter interessante Aspekte in bestimmten Zyklen. Die dargestellten Persönlichkeiten blicken sich nie an, obwohl sie sich in engem Körperkontakt befinden.
Auf dieser noch bis zum 30. Juli andauernden Ausstellung in der Galerie Schütte, Kaiserstraße 17 in Kettwig, befinden sich zusätzlich Noßmann‑Zeichnungen, die andere bekannte Musikanten und Komponisten im Zyklus „Philharmonie“ zeigen.
(Westfälische Rundschau – 19.07.1988)
