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Von Schubert bis Schuhwerk

Andreas Noßmann in der Galerie Radicke

Bei Galeristin Jutta Radicke geht der Vorhang auf für ein bildstarkes Solo des Zeichners und Malers Andreas Noßmann. Zu entdecken sind an die 80 eigens für diesen Anlass entworfene mischtechnische Extravaganzen mit den Schwerpunkten: Portraits, Studien zur präindustriellen Agrarwirtschaft in den USA, Naturexkursionen sowie charmante Kleinepen zum Thema Schuhwerk. Wie immer serviert Jutta Radickes Inszenierung ein spannungsgewürztes Bildmenü, das unwillkürlich sensibilisiert für künstlerische Eigenheiten, werkinterne Zusammenhänge sowie für leise Kontroversen.

Die zeichnerischen Eigenheiten des 1962 in Hilden geborenen Künstlers teilen etwa expressive Bildnisse, die in unterschiedlichen Techniken entstehen, von Persönlichkeiten aus der Welt der Literatur, Wissenschaft und Musik mit: haarfeine, verästelte und versponnene Linienführungen, dezidierter Farbtupfer sowie vielfach nah herangeholte Gesichtsausschnitte und oft ungewöhnliche Perspektiven. Das Ergebnis ist die unmittelbare Erfahrung einer „Privataudienz“ etwa bei Peter Handke oder Franz Schubert. Eine ähnliche prägnante, erzählerisch grundierte Präsenz entwickelt der in Brühl lebende Künstler für sein einzigartiges Kontinuum (Stichwort: „Alte Liebe“) ausgedienter, historischer oder gar moderner Fußbekleidungen.

Ein weiteres Highlight repräsentieren Ursprünglichkeit, Unverwüstlichkeit und lyrisch beschauliche Lokalkolorite zelebrierende Naturstücke. In stillen Wald-, Hainlandschaften und Alleen triumphieren gedämpfte Koloraturen und eine, gleichsam aus dem Hinterhalt einströmende diffuse und gleichzeitig irisierende Lichtenergie.

Galerie Radicke, Eisenachstr. 33, St. Augustin, bis 15. September. Öffnungszeiten nach Vereinbarung: 02241/335773

von
Christina zu Mecklenburg

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