Sieben Todsünden in der Carlstadt

Sieben Todsünden in der Carlstadt Rheinische Post, 10.09.2010
Angelika BLaeser ist aus der Abgeschiedenheit der Eifel nach Düsseldorf zurückgekehrt und hat an der Bastionstraße eine Galerie eröffnet.
Dort zeigt sie derzeit virtuose Zeichnungen von Andreas Noßmann, der die „Sieben Todsünden“ in altmeisterlichem Stil festgehalten hat.

Für Galeristen und Kunsthändler bleibt Düsseldorf offensichtlich ein attraktiver Standort. Im Windschatten der renommierten Kunstakademie wächst Jahr für Jahr eine neue, junge Szene heran.
Sammler kommen gern in die Kunststadt mit ihren Museen und alternativen Kunstorten. Die Zeiten, da sich einige Galeristen aus der Landeshauptstadt zurückzogen, um ihr Glück in Berlin oder anderswo zu suchen, scheinen vorerst vorüber. Die Galerie Norbert Blaeser besteht schon seit 1973, und sie war mit ihrem Programm der Klassischen Moderne, den Künstlern der „Verschollenen Generation“ und der zeitgenössischen Kunst viele Jahre Teil der Düsseldorfer Kunstszene.

Vor gut zehn Jahren verlegte Blaeser seinen Standort aber von Düsseldorf nach Steffeln in der Vulkaneifel. In der himmlischen Ruhe eines denkmalgeschützten Pfarrhofs setzte er seine Galerietätigkeit fort, organisierte Seminare und bereitete sich auf die Kunstmessen vor. Nun kehrt die Tochter des Galeristen nach Düsseldorf zurück. Es sei ihr lang gehegter Wunsch gewesen, wieder in der Landeshauptstadt zu arbeiten, sagt Angelika Blaeser.
Den anregenden Austausch mit den Künstlern habe sie in der Eifel mitunter doch vermisst.

Mit viel Energie und voller Optimismus will sie in ihren neuen Räumen an der Bastionstraße vor allem jüngere Positionen der Malerei und Fotografie vorstellen. Auf die Klassische Moderne, die in vielen Ausstellungen der Galerie im Mittelpunkt stand, möchte Angelika Blaeser dabei nicht ganz verzichten. Den Auftakt macht nun ein virtuoser Zeichner, der sich mit Witz und Schwung einem klassischen Thema gewidmet hat. Andreas Noßmann (Jahrgang 1962) illustriert die „Sieben Todsünden“ in einem dramatischen Bilderbogen. Noßmanns altmeisterliche Technik erinnert ein wenig an den Stil der Capriccios von Goya.

Sarkastische Darstellungen des Todes, der Wollust, der Feigheit oder der Habgier drängen zunächst schemenhaft, dann immer plastischer in den Bildvordergrund. Dort lässt sich die „Faulheit“ von einer dummen Kuh mit Sex-Appeal verwöhnen. Dass die grotesken Allegorien einer lasterhaften Gesellschaft auch auf die heutige Zeit gemünzt sind, darf man wohl annehmen. Noßmann überlässt die Deutung der opulenten Farbstiftzeichnungen aber dem Betrachter.
Seine von allen guten Geistern verlassenen Darsteller — die Narren, Könige oder Feldherren — sind eher der Tradition als der Gegenwart entsprungen.

Bei der Auswahl ihrer Künstler achtet Angelika Blaeser darauf, dass sie ihr Handwerk beherrschen und dass sie eine „interessante Biografie“ vorzuweisen haben. Sie legt keinen Wert auf Zauberkünstler, die schnell wieder vergessen sind, sondern prüft, ob die Maler oder Fotografen‚ eine solide Entwicklung anstreben, die auf Dauer Bestand hat“. Zu den Künstlern ihrer Galerie zählen Malte Brekenfeld, Georg Glaser, Roland Nicolaus und Elke Reinbold.
Deren Werke sollen in Einzel- und Gruppenausstellungen vorgestellt werden.

Als Glückstreffer beschreibt Angelika Blaeser ihre neuen Räume an der Bastionstraße. Die Lage im kreativen Milieu der Carlstadt stimmt. Im hinteren Bereich der Galerie gibt es sogar eine Lichtkuppel, durch die das Tageslicht hereinfällt. Wichtig ist der Galeristin der persönliche Kontakt zu den Besuchern und Kunden. „Die direkte sinnliche Erfahrung der Kunst kann durch das Internet nicht ersetzt werden“, sagt sie.

VON KLAUS SEBASTIAN

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