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Amedeo Modigliani – Krankheit und Elend

Posthum verklärt und romantisiert wurde auch das allzu kurzen Leben eines nach Paris eingewanderten jungen Italieners, über den sich im nachhinein ein wahrer Reigen an Legenden ausbreitete. Aber eben allzu oft haben Legenden kaum etwas mit der tatsächlichen, der wirklichen Welt des jeweiligen gemein. Aber am Ende lassen sich Arbeiten im nachhinein, per Legendenbildung, einfach besser verkaufen, die einst fast keiner erwerben wollte.

Modigliani im AtelierDenn rein aus kunsthistorischer Sicht betrachtet sind Modiglianis Werke zwar ein durchaus nennenswerter Eckpfeiler der Belle Époque, aber mehr eben auch nicht. Besonders zu erwähnen sind hierbei natürlich Modiglianis damals Achso skandalösen Aktbilder, die sogar zu einer Ausstellungsschließung führten und im Grunde somit zum Fundament seines verspäteten Ruhmes wurden. Aktbilder aber gab es schon seit der Renaissance zu Hauf, nur eben immer ohne Schambereich. Das kleine schwarze Dreieck, die Andeutung von Schamhaaren im Bild, war an Frivolität zu viel des Guten und reichte damals aus, um die Sittenwächter von Paris auf den Plan zu rufen.

Doch allein aus diesen Fakten lassen sich kaum Legenden stricken. Hierzu verlangt es üblicherweise nach einem gewissen Maß an Tragik und Klischee Erfüllungen, und an jenen gibt es tatsächlich reichlich im Leben des Amedeo Modigliani. Schon seit Kindeszeiten Lungenkrank, strapazierte Modigliani unaufhörlich, durch permanent maßlosen Alkoholkonsum, das rauchen von Drogen, alle Warnungen von Ärzten in den Wind schlagend, seine eh schon angeschlagene Gesundheit wissentlich. Sein Charme gegenüber Frauen soll wohl ebenso bestechend gewesen sein, wie seine Schlampigkeit und Unfähigkeit in geschäftlichen Fragen – lebte er doch, bis zu seinem Lebensende, in einem Loch von Wohnung ohne Heizung, ohne Bad und fließendem Wasser, in der ausgetretene Kippen den hölzernen Boden übersäten, leergetrunkene Weinflaschen nicht nur allseits Dekor, sondern auch alle Regale füllten und in der der Schimmel den Putz der Wände auffraß. Kein Ort eigentlich, an dem man in Ruhen arbeiten, geschweige denn immer wieder Frauen aufs neue verführen zu können. Aber derer gab es wohl angeblich dennoch reichlich – bis s i e in sein Leben trat und die eigentliche Tragödie der Legende Modigliani ist: Jeanne Hébuterne

Jeanne Hébuterne

Jeannes Eltern, die früh ihr künstlerisches Talent erkannten und sie förderten, waren alles andere als begeistert über die Beziehung zu Modigliani, dessen Ruf eben nicht der aller beste war, konnten aber die kommende Tragödie, trotz aller Einwände und Bedenken nicht verhindern. 1918 kam deren beider erste gemeinsame Tochter zu Welt – nach der Mutter benannt: Jeanne. Modigliani erkannte das Kind sofort offiziell als das seine an, wollte seine geliebte Jeanne auch heiraten, da sie 1919 erneut von ihm schwanger war. Er verstarb aber 1920 in der Charité in Paris an den Folgen seiner langjährigen tuberkulösen Meningitis, bevor es zur Trauung kommen konnte.
Im achten Monat schwanger, fanatisch in ihrer Liebe zu Modigliani, stürzte sie sich, nur einen Tag später, aus dem 5ten Stück eines Fensters in den Tod. So, und nur so, in der vollen Tragweite einer Tragödie, entstehen Legenden.

Erst 1992 fand man in einem Keller die längst vergessenen, eigenen Arbeiten von Jeanne.

Modigliani
Bleistift, Farbstift, Aquarell
Wvz. 4318
Format: 700 x 623 mm
März 2008