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Schachnovelle – Stefan Zweig

Stefan Zweig war nie der große Romancier, wie ein Thomas Mann, Hermann Hesse oder Robert Musil, aber eben dennoch einer der meistgelesenen und auch kommerziell erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftsteller seiner Zeit. Nicht der Roman, und erst recht nicht das Epos war seine Welt, sondern die Erzählung, die Novelle im Stile des Realismus, sowie literarisierte Biografien, wie z.B. zu Erasmus von Rotterdam, Magellan oder Joseph Fouche. Die große Sprachgewalt des Stefan Zweig, seine hohe Anschaulichkeit in der psychoanalytischen Umschreibung seiner Figuren, der stetige Wohlklang und Gefälligkeit seiner Worte, die elegante Ausformung jeder seiner Sätze, entrückt sein Werk zur Gänze aus dem Muff seiner Zeit, jener Zeit, mit der er selber auch stets auch so haderte – eben mit der Welt der ewig gestrigen. Und wenn man in seine aller letzte Erzählung „Die Welt von gestern“ als Leser mit eintaucht, möchte man meinen, man ist wie selbstverständlich selbst dabei, im erst gerade beginnenden, unheilvollem 20ten Jhdt., in dem Männer erst als solche wahrgenommen werden, wenn sie sich erstmals mit einem Bart ihr noch ach so junges Gesicht verunstalten konnten.

Diese neue Zeichnung hier ist natürlich eine Hommage, eine recht persönliche Interpretation seines wohl bekanntesten Werkes, der Schachnovelle. In dieser, eben ungewöhnlich für so einen klaren und scharfen Geist, der sich ansonsten erzählerisch eher an belegbaren, historischen Fakten orientiert, glaube ich durchaus kafkaeske Einflüsse zu erkennen. Denn sein armer Protagonist, in dieser Novelle, der Advokat Dr. Basil, durchlebt eine Tortur, die Folter des totalen geistigen Entzuges, Wochenlang abgeschirmt von allem und jedem und dann dem Wahnsinn schon allzu nah, ist es ein zufällig an sich gebrachtes Buch, ausgerechnet ein Buch zum Thema Schach, welches ihn aus seiner Apathie, dem schon beginnenden Deliriums seines Verstandes errettet. Aber natürlich finden die Schergen des Dr. Basil das besagte Büchlein in seiner Kammer und nehmen es ihm weg, um die Folter der geistigen Isolation nun endlich zum erwünschten Erfolg zu bringen – den Geist zu brechen, diesen Menschen in ihrem Sinne gefügig zu machen.

Doch was die Schergen nicht erahnen, sich nicht vorstellen können ist, dass sich der, durch sie selber initiierte Foltermethode völlig entleerende Verstand des Dr. Basil, sein gesamter Intellekt, sich sich rein auf das heimlich angelesene stürzte, wie ein Verdurstender, sein Hirn, wie ein Schwamm jedes Wort, jeden Satz, jede Schachgrafik aufgesogen hatte und somit nichts mehr braucht – kein Buch und erst recht kein Schachbrett mehr und auch keine Figuren. Und am Ende spielt dieser Schach im Geiste, auf den Schattenmustern seines Seins ….

Schachnovelle
Bleistift, Farbstift, Aquarell
Wvz. 5268
Format: 500 x 350 mm
Juli 2021